Für die meisten Katzen ist der Gang zum Tierarzt purer Stress. Das beginnt schon mit der Transportbox, Auto fahren, fremde und unangenehme Gerüche, fremde Tiere, Wartezeiten und zu guter Letzt ein fremder Mensch, der einen merkwürdig anfasst und zur Krönung von allem auch noch eine Spritze verpasst (oder aus Katzensicht: Der einen in den Hintern beißt!). Hunde können im Gegensatz zu Katzen mit Leckerlis konditioniert werden, doch funktioniert das mit unseren Stubentigern meistens überhaupt nicht.
Trotzdem möchte ich Dir hier ein paar Tipps an die Hand geben, wie Du den ein oder anderen Stressfaktor für Deine Mieze angenehmer machen kannst.
1 Die Wahl des richtigen Tierarztes
Was hat deine Katze und zu welchem Tierarzt gehst du? Viele Tierhalter, haben oft lange Jahre immer denselben Tierarzt. Es ist auch schön, wenn man einen hat, dem man alles anvertraut. Doch auch Tierärzte sind keine Alles-Könner, und die verschiedenen Tierarten sind noch komplexer, als für einen Menschen-Arzt. Wähle daher einen Tierarzt, der sich im Bereich Katzen spezialisiert hat. Bei solchen Tierärzten wirst du auch eine höhere Chance haben, dass er seltene und komplexere Krankheiten schneller erkennt und richtig behandeln kann.
Fühlst Du Dich bei Deinem Tierarzt wohl? Wenn Du einen Tierarzt gefunden hast, der auf Katzen spezialisiert ist, Du ihn aber unsympathisch oder unangenehm empfindest, scheue Dich nicht, den Tierarzt zu wechseln. Es ist wichtig, dass Du Deinem Tierarzt vertraust und Du und Deine Katze sich dort gut aufgehoben fühlen.
Ich z.B. habe für meine Katzen schon immer einen anderen Tierarzt, als für mein Pferd.
Auch der beste Tierarzt, kann mit einer Diagnose mal daneben liegen. Wenn Du also bei einer Diagnose ein anderes Bauchgefühl hast, hole Dir unbedingt eine 2. Meinung von einem anderen Tierarzt ein!
2. Der Kauf der richtigen Transportbox
Meiner Meinung nach sollte bei der perfekten Transportbox der Deckel komplett geöffnet werden können. So kann man die Katze bequem rein oder raus heben. Wenn Boxen eine Tür an der Seite haben, kann die Katze sich an den Seiten fest klammern, wenn sie nicht hinein möchte. Oder sie verkriecht sich im hintersten Teil der Box, wenn man sie herausnehmen muss. Dadurch entstehen meist ungemütliche Griffe und Gezerre an der Katze, die unnötig mehr Stress für alle Beteiligten bringen. Die Luftlöcher an den Seiten sollten erst in der oberen Hälfte beginnen. So hat die Katze eine geschützte „Wanne“, wo sie sich im Wartezimmer vor den Blicken der anderen Tiere verstecken kann.
Bitte trage niemals die Transportbox an dem dafür vorgesehenen Griff am Deckel! Es kann immer mal passieren, dass er sich beim Tragen öffnet und wenn Dir dann Deine Katze in einer fremden Umgebung entwischt, ist eine Katastrophe vorprogrammiert. Egal welche Box, egal welcher Hersteller: Traue ihnen nicht! Trage Deine Box immer rechts und links an den Seiten.
Vielleicht ist für Deine Mieze aber auch eine Transporttasche am angenehmsten. Manche Miezen stresst schon das Geklapper der Box (Evtl. die Tür vorne, oder der Griff oben. Gerade beim Autofahren kann sowas extrem stören).
Doch achte beim Kauf einer Transporttasche unbedingt darauf, dass die Netze kratzfest sind!
Für meinen Rubi z.B. ist eine Transporttasche viel angenehmer. Die Tasche selbst stresst ihn gar nicht. Er ist in darin viel entspannter, als in der Plastikbox.
Die Box sollte groß genug sein, dass deine Katze sich darin bewegen und auch liegen kann. Aber bitte nicht zu groß, dass sie darin herum fällt.
Bitte transportiere immer jede Katze einzeln! Wenn mehrere Katzen in einer Box sind, kann dies zusätzlich stressen. Schließlich bewegt sich die Box ständig und alles wackelt, da ist es nicht von Vorteil, wenn sie sich selbst im Weg sind und aufeinander rumtrampeln. Auch kann bei Streitigkeiten keiner dem Anderen aus dem Weg gehen. Im Auto kannst du die Boxen aber natürlich nebeneinander stellen.
Ausnahmen hier sind Kitten. Wenn man kleine Miezen zusammen in einer Box transportiert, können sie sich eng aneinander kuscheln und sich gegenseitig beruhigen.
Eine Auswahl an Transporttaschen und -Boxen findest du in meinem Shop – Transport.
3. Gewöhne Deine Katze von Anfang an an die Transportbox
Im Idealfall kannst Du Deine Katze schon im Kindesalter an die Transportbox gewöhnen. Aber auch wenn Du Deine Katze schon im ausgewachsenen Alter bekommst, ist das Gewöhnen an die Transportbox möglich. Lasse die Box dazu immer in Reichweite Deiner Katze stehen. Lege eine Decke hinein und locke Deine Mieze hin und wieder mit ein paar Leckerlis hinein. Doch ohne die Box zu schließen! Deine Katze soll Vertrauen zu der Box fassen und sie als „normal“ ansehen. So wird sie sich beim nächsten Tierarztbesuch in der Box wesentlich wohler fühlen, wenn sie mit ihr schon positive Erfahrungen gemacht hat. Lege nie ein frisches Handtuch in die Transportbox, sondern immer eine Katzendecke oder ein getragenes T-Shirt von Dir. Der Geruch erinnert sie an zu Hause und wird sie beruhigen.
4. Treffe Vorbereitungen für den Termin
Dazu zählt, dass Du Unterlagen und den Impfausweis Deiner Katze schon zusammenlegst, noch bevor Du Deine Katze in die Box setzen musst. Das vermeidet unnötige Hektik schon vor dem Losfahren. Zudem kannst Du in Deiner Tierarztpraxis anrufen und nach den aktuellen Wartezeiten fragen. Evtl. kannst Du dann erst etwas später losfahren.
Tipp: nimm ein Handtuch mit, für später ins Wartezimmer und Behandlungszimmer. Mehr dazu bei Punkt 8 und 9.
5. Sei Dir über Deine Gefühle bewusst
Bist Du nervös oder hast Du Angst? Deine Katze wird dies spüren und ebenfalls Angst bekommen. In einer fremden Umgebung bist Du das einzige Rudelmitglied, was noch da ist. Deine Katze wird Dich genaustens beobachten und sich an Deinen Gefühlen orientieren. Also, sei ein emotionales Vorbild und versuche so normal wie möglich zu sein.
Mehr dazu kannst Du auch hier nachlesen: Wie sensibel Katzen wirklich sind.
6. Die Katze in die Transportbox setzen
Wenn Du mit Deiner Mieze viel geübt hast und sie keine Angst vor der Transportbox hat, kannst Du sie evtl. mit einem Leckerli in die Box locken. Falls das bei Dir nicht funktioniert, setze Deine Katze so schnell und selbstverständlich wie möglich in die Transportbox. Bleibe dabei ruhig und gelassen, als wäre es das normalste auf der Welt. Mache bitte keine großen Einfang-Aktionen und Hinterher-Laufereien. Sonst hat Deine Katze schon Stress und Angst, noch bevor sie überhaupt in der Box sitzt. Sobald Deine Katze in der Transportbox sitzt, solltest Du so schnell wie möglich den Deckel schließen. Achte darauf, dass Du ihr den Schwanz nicht klemmst und den Deckel nicht zu knallst. Der laute Knall kann ihr Angst machen und sie merkt sich das fürs nächste Mal.
Falls Du jedoch einen Stubentiger hast, der extrem die Krallen ausfährt, oder gar beißt, wäre es eine Option, ein Handtuch über die Mieze zu legen, und sie mit Handtuch in die Box zu setzen. Lege ihr in dem Fall das Handtuch auch über den Kopf, damit sie die Box nicht sieht (das heißt aber nicht, dass sie nicht weiß, was Du vorhast 😉 )
Ich persönlich finde die Handtuch-Methode nicht so gut, da es im Grunde eine List von uns ist. Aber manchmal geht es vielleicht nicht anders…
7. Die Autofahrt
Am besten platzierst Du die Transportbox auf der Rückbank und sicherst sie mit einem Anschnallgurt. Dazu führst Du den unteren Gurt um die Kiste herum und den oberen Gurt durch den Tragegriff der Transportbox. Bitte stelle die Box nicht auf den Beifahrersitz, da sie Dich beim Fahren zu sehr ablenken kann und das für Euch beide gefährlich ist! Stelle die Box auch bitte nicht in den Kofferraum, wo sie ungehindert umherrutschen könnte. Ebenso ist das Schließen des Kofferraumdeckels extrem unangenehm für Deine Mieze, da es im Innenraum einen ziemlich lauten und dumpfen Knall gibt.
Viele Katzen miauen ununterbrochen die ganze Fahrt. Dieses Verhalten kannst Du ihr weder abgewöhnen, noch unterbinden. Aber Du kannst ihr helfen, indem Du mit Deiner Katze sprichst. Quatsche am besten ganz locker irgendetwas vor Dir her. Sei Dir auch hier über Deine Gefühle bewusst; bist Du nervös, wird Deine Katze das Zittern in Deiner Stimme merken und sich nicht beruhigen können. Bitte bemitleide sie auch nicht andauernd. Deine Katze wird auch dieses bemitleiden verstehen, doch weiß sie – im Gegensatz zu Dir – nicht, was auf sie zukommt.
Falls Du Dich fragst, ob Deine Mieze versteht, was Du ihr sagst, habe ich hier einen interessanten Beitrag für Dich: Versteht meine Katze, was ich ihr sage?
8. Im Wartezimmer
Im Wartezimmer kommen die ersten, fremden und beängstigenden Gerüche in der feinen Nase Deiner Mieze an. Erleichtere ihr das Warten, indem Du die Box möglichst so stellst, dass sie vor den Blicken der anderen Tiere geschützt ist. Wenn sie einen bellenden Hund hört ist das schon stressig genug, da muss sie ihn nicht auch noch sehen. Stelle die Box auf den Boden neben Dich, oder unter Deinen Sitzplatz. Wenn genug Platz im Warteraum ist, kannst Du sie auch auf den Stuhl neben Dir stellen. Falls Deine Mieze doch die anderen Tiere sehen kann, kannst Du jetzt Dein mitgenommenes Handtuch einsetzen. Lege es über die Box, sodass sie die anderen Tiere nicht sehen kann. Zusätzlich dämpft das Handtuch auch die äußeren Geräusche.
9. Im Behandlungszimmer
Das erste Unangenehme, womit Deine Katze jetzt konfrontiert wird, ist wohl der Behandlungstisch. Sie sind meistens rutschig, kalt und stinken nach Desinfektionsmittel. Frage Deinen Tierarzt, ob Du Dein mitgenommenes Handtuch auf den Tisch legen kannst, bevor Du die Mieze darauf setzt. Damit wirkt der Untergrund nicht mehr so rutschig und der Geruch des Desinfektionsmittels wird etwas überdeckt.
Wenn Du Dir zutraust, Deine Katze festzuhalten, assistiere Deinem Tierarzt. Sei Dir im Klaren, dass in dieser Ausnahmesituation Du Deine Katze manchmal fester halten musst, als Du es zu Hause tun würdest. Und dass Deine Katze vielleicht Seiten an ihr zeigt, die Du so von ihr noch nicht kanntest. Manche Katzen werden sehr aggressiv, andere wiederum lassen angespannt alles über sich ergehen. Doch den meisten Katzen wird wohl die Anwesenheit des Besitzers beruhigen, sofern sie ein vertrautes Verhältnis zueinander haben.
Bitte respektiere, wenn der Tierarzt Dich während der Behandlung aus dem Raum schickt. Der Tierarzt betrachtet die Situation aus einer neutralen Perspektive, während Du emotional belastet bist. Wenn er der Meinung ist, dass es für Euch beide besser wäre, bei der Behandlung nicht zusammen zu sein, dann vertraue auf seine Erfahrung. Vielleicht bist Du nervös, ängstlich, oder weinst sogar, würde das Deine Katze noch ängstlicher oder gar panisch machen. Es gibt auch Katzen, die ständig an ihren Besitzern hochklettern wollen, was ebenfalls für eine ruhige Behandlung kontraproduktiv ist. Sei stark und nicht stur!
10. Anschließend wieder zu Hause
Wenn Ihr endlich wieder zu Hause seid und Deine Mieze dies lautstark kommentiert, kannst Du Deine Katze natürlich sofort aus der Box lassen. Wenn Du einen Freigänger hast, lasse sie bitte nicht sofort nach draußen, bevor sie sich nicht wieder komplett beruhigt hat. Deine Aufgabe ist es jetzt, so zu tun als wäre nichts gewesen. Denn eine gewohnte Routine vermittelt Deiner Katze Sicherheit.
Wenn Du jedoch mit einer Katze nach Hause kommst, welche eine Narkose hatte, lasse sie bitte erst aus der Box, wenn sie vollkommen wach ist. Deine Katze könnte im benommenen Zustand Panik bekommen und sich selbst verletzen.
Falls Ihr zum Kastrieren wart, kannst du hier mehr darüber lesen: Die Zeit vor und nach der Kastration.
Ich wünsche Euch alles Gute! 🍀
4 Gedanken zu „10 Tipps für einen stressfreieren Tierarztbesuch“
Liebe Miezenmami Sarah! Ich Stelle doch die Katze nicht auf den Beifahrersitz. Mir reicht es schon wenn meine Frau mich beim Fahren dauernd kritisiert.
🤣🤣🤣
Vielen Dank für deine Tipps! Mein Kater hat immer sehr viel Angst vor der Transportbox und rennt sofort weg. Vielleicht werde ich auch mal eine Ttansporttsche probieren 👍
Liebe Grüße Anja 💖
Meine Molly ist bei Tierarztbesuchen recht unkompliziert aber sie auch schon älter (15 Jahre) aber den Tipp mit dem handtuch auf dem tisch werde ich trotzdem mal ausprobieren Danke für deinen Beitrag ❤